WAS IST LANDART?


Die Mitte der Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts entstandene Land Art (engl. für Landschaftskunst), zu deren Hauptvertretern Andy Goldworthy und Richard Long in Grossbritanien sowie Walter De Maria, Robert Smithson und Michael Heinzer in Amerika zählen, kann als bedeutsame Gegenströmung zur Pop Art gesehen werden.

Ende der 60er Jahre war die Kunst mehr als je zuvor zu einer Plattform für theoretische und ideologische Auseinandersetzungen geworden. Minimal Art und Land Art - die Künstler selbst lehnten jegliche Klassifizierung strikt ab und arbeiteten oft parallel in vielen verschiedenen Richtungen - zählen wohl zu den radikalsten künstlerischen Konzepten jener Zeit, die bis heute auch in der Architektur und Landschaftsarchitektur als wichtige Inspirationsquellen dienen (Geoglyphe).


Im Unterschied zur Minimal Art, die um Objektivität bemüht war und hauptsächlich im Kontext der Galerien und Museen zu finden war, kennzeichnete die Land Art eine romantische aber auch eine explizit gesellschaftskritische Komponente. Dem Besitzbürgertum, welcher die Werke der bildenden Kunst nur noch als Spekulationsobjekte betrachtete, wollte man kein neues Konsumgut liefern. Man schuf deshalb in den abgelegenen Wüstengebieten Nordamerikas gigantische Erdbauwerke, die in keinem Museum, in keiner Galerie ausgestellt werden konnten, also weder transportabel, käuflich noch dauerhaft waren. Zu Beginn gestatteten die Künstler nicht einmal Foto- oder Filmaufnahmen ihrer vergänglichen Arbeiten. Wenn jemand die Kunstwerke sehen wollte, dann musste er sich auf eine innere und äußere Reise begeben und die Skulptur direkt in der Landschaft, unter freiem Himmel, bei Wind und Wetter mit all seinen Sinnen erleben. Die Kunstwerke wurden nicht wie Objekte in die Landschaft gestellt, nutzten die Landschaft nicht einfach als attraktiven Hintergrund, sondern wurden selbst zur Landschaft.


Mit den Intentionen der später aufkeimenden Ökologiebewegung hatten die Land Art Künstler nicht das Geringste im Sinn. "It's about art, not landscape." betonte Michael Heizer, einer der jungen Pioniere dieser Kunsttendenz, ausdrücklich und widersetzte sich damit allen Versuchen, die Land Art als ökologische Landschaftskunst zu interpretieren.


Erst die europäische Natur-Kunst, die zu Beginn der siebziger Jahre mit dem zunehmenden Umweltbewusstsein entstand, orientierte sich stark an ökologischen Grundgedanken. Viele künstlerische Interventionen, die heute sehr verallgemeinernd als "Land Art" bezeichnet werden, unterscheiden sich grundsätzlich von den ursprünglichen Ansätzen der amerikanische Avantgardekunst der 60er Jahre und sind treffender als "Natur-Kunst" oder "Environmental Art" zu bezeichnen. Anders als bei der Land Art steht die gesellschafts- und kunstkritische Komponente nicht mehr im Mittelpunkt des Interesses.  Es geht der Mehrzahl der Natur-Künstler weniger um provozierende, radikale Gesten in der Landschaft als vielmehr um feinfühlige, häufig dekorative Setzungen von vergänglichen Objekten in die Natur.


Die Natur (Wüsten, Felder, Wasserflächen usw.) wird als Medium künstlerischer Gestaltung genutzt. Die Dokumentation erfolgt oftmals wegen der großen Ausdehnung der Kunstwerke und der angestrebten Wirkung durch Luftaufnahmen, ist aber nicht, wie häufig missverstanden, zwangsläufig Teil der Arbeit. Es gibt durchaus auch kleinere Land Art-Kunstwerke; die Ausmaße sind nicht entscheidend, allein die Verortung in der Natur ist von Belang.

Wichtig ist auch der Einfluss der Natur auf die Kunstwerke. Oft verändern Witterung und Wachstum der verwendeten Materialien das Kunstwerk. So entsteht Dynamik und Prozesshaftigkeit. Daher ist die Dokumentation, v. a. durch Fotografie, sehr wichtig, da die wenigsten Betrachter diese teilweise langwierigen Entwicklungen auch verfolgen können.


In Europa wurde meist der Begriff Land Art verwendet, während im Amerikanischen ist der Begriff der Earth Works oder Earth Art gebräuchlich. In Grossbritannien wurde auch kurze Zeit der Begriff Environmental Art benutzt, welcher sich aber nicht durchsetzen konnte.

Der Grossteil dieser Diskussion bleibt seit den 80er Jahren in einer Schleife hängen.


Begriffe:


Earth Art / Earth Works

Ende 60er:

- Künstler aus Amerika, setzten die Landschaft als wesentlicher Bestandteil ihrer Kunst ein.

Sie Installierten ihre meist grossdimensionierten Werke aus Naturmateralien oft weit abseits der Zivilisation.

- Die Künstler verstanden ihre Kunst als Protest gegen die künstliche, kunsthoffästhetische und hemmungslose Vermarktung der Kunst.

- Sie lehnten Präsentationen in Museen ab.

- Sie entwickelten erheblichen technischen Aufwand für grossräumige Landschaftsprojekte, die nicht käuflich waren.


Prominente Vertreter:


Michael Heinzer, Christo und Jeanne-Claude, Walter De Maria, .....


Besonders eindrucksvoll dokumentiert sich der radikale Ansatz im Werk "Double Negative" von Michael Heizer aus dem Jahr 1969: Mit Bulldozern und Dynamit wurden zwei 9 Meter breite und 15 Meter tiefe, exakt lineare Einschnitte mit einer Gesamtlänge von mehr als 450 Metern in die Erosionskante der wüstenartigen Hochebene Mormon Mesa bei Las Vegas getrieben. 240.000 Tonnen Gestein mussten bewegt werden um einen enormen Raum zu schaffen, eine erlebbare "negative" Skulptur, die man nicht wie gewohnt nur von außen betrachten, sondern die man begehen und als meditativen Raum ohne vorher festgelegten Standort, erfahren sollte.


Environmental Art

Anfang 70er

- entstanden in der Zeit wachsendem ökologischen Bewusstseins

- in der naturorientierten Kunst (ökologisch orientierte Kunst), die hauptsächlich mit Naturmaterialien in einer schon relativ Kultivierten Landschaft arbeitet

- sie wurde als Gegenströmung der grossdimensionierten Earth Art / Earth Works in unberührter Natur verstanden

- Vergänglichkeit und Zerfall im Zyklus der Natur spielen eine wichtige Rolle

- Die Formensprache ist meist durch einfache, strenge Geometrien gekennzeichnet


Prominente Vertreter:

Andy Goldworthy, Ricard Long, David Nash, Nils Udo, ......


Land Art

Ende 70er

- Die Bezeichnung 'Land Art' wurde 1969 vom deutschen Filmemacher und Fernsehgaleristen Gerry Schum mit seiner ersten Fernsehausstellung "Land Art" (Ausstrahlung am 15. April 1969 im SFB) geprägt und ist seither v.a. in Deutschland gängig.


Natur-Art

Heute wird die Bezeichnung "Land Art" in sehr verallgemeinernder Weise - und häufig aus werbestrategischen Gründen - auf jede beliebige Art von Natur-Kunst oder Kunst in der Landschaft angewendet, obwohl aus kunsttheoretischer Sicht keinerlei konzeptionelle Beziehung zur ursprünglichen Land Art der 60er Jahre (siehe oben) gegeben ist.



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